Andrea Kueppers
Es ist die Gier nach dem kurzen Augenblick und bisher so noch nicht Gesehenen, die durch keine Technik ersetzt werden kann. Andrea Kueppers ist in diesem positiven Sinn süchtig nach Momenten. Es ist deshalb naheliegend, dass sie regelmässig Reisen in ferne Orte unternimmt, etwa, um im argentinischen Nirgendwo die letzten Gauchos zu finden, oder wenn sie – gutmeinenden Warnungen zum Trotz – durchs nächtliche Kingston streift, um zu sehen und zu verstehen. Was ein Leben in Jamaika von dem in Hamburg unterscheidet. Oder auch, was dieses mit jenem vergleichbar macht. |
Der innere Kern eines Menschen oder der archetypische Charakter einer Landschaft, eines Gebäudes oder einer Stadt zeigen sich immer nur für kurze Zeit. Man braucht Glück dafür – und den richtigen Blick. Die Suche nach dem Kern – dem, was aus Unsicherheit oder aus angelernten Reflexen zunächst gerne verborgen wird – und der Mut, sich auch unübersichtlichen oder schwierigen Situationen zu stellen, um das eine gute Foto zu bekommen, verbinden Andrea Kueppers' Bilder mit den grossen Reportagefotos vergangener Tage. Ihre Abbildungen verweisen wie diese jederzeit auf ein Anliegen in ihrer Arbeit, das weit über rein ästhetisierende Fotografie hinausweist. Ihre doppelte Profession als Werbe- einerseits und als Portrait- und Reportagefotografin andererseits, hat sich für Andrea Kueppers dabei nie als Handicap erwiesen. Im Gegenteil. Wenn sie, nach eigener Aussage, "das Beste beider Welten" in ihren Arbeiten miteinander verbindet, entstehen einzigartige Mischungen aus durchkomponierten, fotografischen Inszenierungen und echten dokumentarischen Portraits, die den Portraitierten jederzeit im Mittelpunkt der Arbeit belassen. |



Neben einer grossen Leidenschaft für andere Menschen und für fremde Länder verfügt Andrea Kueppers offenbar über eine angeborene innere Kamera, die ihr die seltene Fähigkeit verschafft, den richtigen Blickwinkel für den einen speziellen Moment oder die besondere Situation zu finden. Dieser instinktive Blick und eine grosse Beharrlichkeit und Unerschrockenheit bei der Wahl ihrer Motive sind wohl die entscheidenden Faktoren dafür, dass ihre Portraitserien, Reisereportagen und dokumentarischen Aufnahmen etwas miteinander verbindet, das den Betrachter beschäftigt.