DDR
Die Deutsche Demokratische Republik war in ihren letzten Tagen – zwischen Währungsunion und Wiedervereinigung – ein besonders reizvolles Reportagemotiv. Das beinahe schon untergegange Land befand sich in einem Zwischenraum der Geschichte. Für Fotografen aus der Bundesrepublik war diese – doch so nahe – "Zwischen-DDR" eines der fernstmöglichen Reiseländer. Räume, die noch kurz zuvor nur schwer oder gar nicht zugänglich waren und deren Fotografieren einer kaum erhältlichen Genehmigung bedurft hätte, verwandelten sich für ganz kurze Zeit in Freiräume, die unvorbereitet dokumentiert werden konnten, bevor sie zunehmend für einen westlichen Blick hergerichtet wurden. Menschen, die noch keinen Anlass sahen, sich ein ganz persönliches, verwert- und vermarktbares Image zurechtzubasteln, waren hungrig nach Kontakt und Austausch und liessen sich bereitwillig fotografieren – so, wie sie waren. In ihnen spiegelte sich ein Gefühl eines stolzen kollektiven Aufbruchs, gebrochen von beginnender Verunsicherung.

Heute scheinen die damals entstandenen Bilder beinahe noch weiter weg zu sein. Die Tatsache, dass es sich bei der Reportage um Schwarz-Weiss-Fotografien handelt, verstärkt dieses Gefühl. Sie erinnern in ihrer Fremdheit an in der Kindheit verständnislos betrachtete Nachkriegsfotos. Viel hat sich verändert. Biografien, die als gebrochene empfunden werden, Illusionen, die enttäuscht worden sind, Hoffnungen, die dem Leben oft nicht standhielten und nicht zuletzt natürlich auch Städte, Läden und Betriebe, die zwanzig Jahre später meist kaum noch von denen der alten Bundesrepublik zu unterscheiden sind. Die vorliegende Reisereportage ermöglicht deshalb einen stillen, manchmal wehmütigen und oft auch irritierten Rückblick auf jenes "andere Deutschland", das heute hinter Legendenbildung einerseits und Verteufelung andererseits langsam verschwindet.